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Freitag, 30. August 2002 Oamaru, Neuseeland

"Unser Snares Projekt wird genehmigt. Unser Snares Projekt wird nicht genehmigt. Unser Snares Projekt wird genehmigt. Unser Snares Projekt wird nicht genehmigt. Unser Snares Projekt wird genehmigt. Unser Snares Projekt nicht...... usw."

Langsam aber sicher gehen unserer Blüte die Blätter aus. Das soll heissen, dass wir uns im ganzen Gerangel um Genehmigungen für unseren Aufenthalt auf den Snares und Diskussionen mit dem DOC in den letzten Wochen wohl oder über einer definitiven Entscheidung nähern - denn bald ist es an der Zeit tatsächlich aufzubrechen. Oder eben nicht. In den Verhandlungen zwischen Universität werden alle Register gezogen: eine vertrackte Situation. Es geht im Prinzip darum die "Benefits & Costs" des Snares Projektes abzuwägen:

Auf der einen Seite haben wir die gefährdeten Snares Pinguine, über die wir nichts wissen, denen es anscheinend aber (zumindest populationsmässig gesehen) gut geht. Wenn man allerdings erst warten will, bis die Pinguinzahlen dramatisch abnenehmen, kann es bereits zu spät sein, deren Biologie zu studieren, um eventuell noch wirksam zum Erhalt der Art beitragen zu können. Auf der anderen Seite gelten die Snares Inseln als "Minimum Impact Islands" - also im Prinzip hat da niemand etwas drauf verloren, weil das ganze System sehr fragil ist und durch zu grossen menschlichem Einfluss (z.B. Forscher die auf den Inseln durch die Botanik trampeln) bleibende Flurschäden nicht ausbleiben.

Alles in allem, würde ich sagen, dass "Benefits & Costs" mehr oder weniger gleichwertig sind, weswegen es nicht leicht ist eine Entscheidung zu fällen. Das DOC findet die "Costs" sind zu hoch und möchte uns lieber auf Fiordland Pinguine ausweichen sehen; der Froschungsbedarf an den Snares Pinguinen ist jedoch nicht zu ignorieren. Ich, als an den direkten Verhandlungen Unbeteiligter, versuche in dieser Diskussion neutral zu bleiben - was bleibt mir auch anderes übrig?. So spaziere ich fürderhin an der Küste entlang, fotografiere Kormorane und den Fortschritt im Ausbau der Oamaru Blue Penguin Colony (OBPC) und harre der Dinge...

Vielleicht noch eine nette Anekdote. Ich lebe hier ja mit Dave Houston in so einer netten Mini-Pinguinforscher-WG, mit phänomenalen Blick auf Oamaru. Gestern begab es sich, dass ich mal wieder für das Abendessen zuständig war. Ich öffnete die Tiefkühltruhe und inspizierte den Inhalt auf potenzielle Nahrungskomponenten. Pizza? Nee, hatten wir vorgestern erst. Tiefgefrorenes Gemüse? Auch nicht, zu wenig für zwei. Eis? Als Hauptgang? Nix da. Pinguinbraten? Ach nein, zu viel Aufwand.

"Hey Dave", rief ich aus der Küche. "Du hast schon wieder einen Pinguin im Kühlfach vergessen!"

"Herrjeh...", war Daves bestürzte Antwort.

Der besagte Pinguin war vor zwei Tagen tot vor seiner Nestbox gefunden worden. Die genauen Umstände seines Todes müssen in noch untersucht werden. Bis dahin liegt der Vogel auf Eis. Beziehungsweise unter der Pizza.