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Samstag, 28. September 2002 Oamaru, New Zealand

Irgendwer oder irgendetwas scheint sich gegen unser Projekt verschworen zu haben. Es ist Samstag. Eigentlich hatten wir gehofft es heute mit der Überfahrt zu den Snares Inseln zu probieren. Doch unser Skipper Alan, hat uns telefonisch auf Dienstag vertröstet - bei dem Wetter im Süden ist das glatter Selbstmord.

Über der Subantarktis spinnen die Luftdruckzonen aber auch wirklich verrückt! Im Moment lungern 4 oder 5 verschiedene Tiefdruckgebiete über der Tasmansee und dem Westpazifik und verwandeln die See um sie subantarktischen Inseln in eine Waschmaschine im Schleudergang. Heute zum Beispiel, liegen die Snares mitten in einer Frontenzone mit brüllenden Nordwestwinden. Wellengang: 6 Meter. Juchee!

Die Tatsache, dass es in Oamaru nahezu windstill und die See fast wie gebügelt liegt, macht es einem nicht unbedingt leicht der anrollenden Verzweiflung zu trotzen. Na ja... warten wir halt bis Dienstag...

Dafür gab es heute in Oamaru aber eine andere nette Überraschung. Auf einem Spaziergang entlang der Küste, entdeckte Dave auf dem Graves Beach einen in der Sonne pennenden See-Elefanten. Nun ja, 'See-Elefäntchen' trifft's wohl eher, denn der kleine Bulle ist nicht älter als ein Jahr und ist noch nicht lange ohne seine Mutter unterwegs.

Seltsamerweise hatte ich gerade eh nichts anderes zu tun, also ging ich nach Dave's telefonischem Hinweis auf See-Elefantensuche. Und tatsächlich, der Kleine hatte sich keinen Zentimeter vom Fleck gerührt. Der Länge nach lag er in der Sonne und ließ sich braten. Laut schnarchend und durch die Nase schnaufend lag er da und brachte nur mühsam die Augen auf, um mich zu inspizieren. Die Geräusche die er von sich gab, waren zum aus-den-Latschen-kippen - nur ein Name fiel mir für die entspannte Fellwurst ein: 'Snorre'!

Als ich meine Kamera hervor holte, wurde es dann wohl doch interessant genug, mal ein paar Meter näher heran zu robben, kurz in die Linse zu blinzeln, um dann doch schließlich wieder ermattet auf die schön warmen Steine zu sinken. Was für ein Leben. Snorre war einfach die Gemütlichkeit und Entspannung in Personalunion.

Nach weniger als zwei Minuten war ich nicht mehr interessant genug, um Snorre am wegdämmern zu hindern. Keine vier Minuten, nachdem ich mich ein paar Meter von ihm entfernt auf den Strand gehockt hatte, schlummerte Snorre tief und leise schnarchend. Weitere zwei Minuten später musste er der Schwerkraft nachgeben und rollte langsam den Strand hinunter, bis er halb auf dem Rücken liegen blieb. Snorre merkte nichts. Im Gegenteil: er fing zu träumen an. Man kennt so was ja von Onkels Hund und Tantes Katze: das Zucken der Beine und die Mimik, lassen einen oft erahnen, dass Waldo gerade ein Karnickel jagt, während Mimi einen Baum erklimmt. Doch das ich mal einen Meeressäuger - dazu noch einen See-Elefanten - im Tiefschlaf mit den Flossen paddeln und mit dem Kopf Kurvenschwimmen andeuten sehen würde, hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt.

Snorre war so entspannt, das es ansteckend war. Das sanfte Rauschen des Meeres trug seinen Teil dazu bei, dass auch mir die Lieder schwer wurden. Wäre der Kieselstrand nicht so unglaublich unbequem ohne die nötigen Fettpolster... ich glaube, ich würde jetzt noch da unten mit Snorre liegen und im Traum mit ihm um die Wette paddeln.

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