| Irgendwer oder irgendetwas scheint
sich gegen unser Projekt verschworen zu haben. Es ist Samstag. Eigentlich
hatten wir gehofft es heute mit der Überfahrt zu den Snares
Inseln zu probieren. Doch unser Skipper Alan, hat uns telefonisch
auf Dienstag vertröstet - bei dem Wetter im Süden ist
das glatter Selbstmord.
Über der Subantarktis spinnen die Luftdruckzonen aber auch
wirklich verrückt! Im Moment lungern 4 oder 5 verschiedene
Tiefdruckgebiete über der Tasmansee und dem Westpazifik und
verwandeln die See um sie subantarktischen Inseln in eine Waschmaschine
im Schleudergang. Heute zum Beispiel, liegen die Snares mitten in
einer Frontenzone mit brüllenden Nordwestwinden. Wellengang:
6 Meter. Juchee!
Die Tatsache, dass es in Oamaru nahezu windstill und die See fast
wie gebügelt liegt, macht es einem nicht unbedingt leicht der
anrollenden Verzweiflung zu trotzen. Na ja... warten wir halt bis
Dienstag... |
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Dafür gab es heute in Oamaru
aber eine andere nette Überraschung. Auf einem Spaziergang
entlang der Küste, entdeckte Dave auf dem Graves Beach einen
in der Sonne pennenden See-Elefanten. Nun ja, 'See-Elefäntchen'
trifft's wohl eher, denn der kleine Bulle ist nicht älter als
ein Jahr und ist noch nicht lange ohne seine Mutter unterwegs.
Seltsamerweise hatte ich gerade eh nichts anderes zu tun, also
ging ich nach Dave's telefonischem Hinweis auf See-Elefantensuche.
Und tatsächlich, der Kleine hatte sich keinen Zentimeter vom
Fleck gerührt. Der Länge nach lag er in der Sonne und
ließ sich braten. Laut schnarchend und durch die Nase schnaufend
lag er da und brachte nur mühsam die Augen auf, um mich zu
inspizieren. Die Geräusche die er von sich gab, waren zum aus-den-Latschen-kippen
- nur ein Name fiel mir für die entspannte Fellwurst ein: 'Snorre'!
Als ich meine Kamera hervor holte, wurde es dann wohl doch interessant
genug, mal ein paar Meter näher heran zu robben, kurz in die
Linse zu blinzeln, um dann doch schließlich wieder ermattet
auf die schön warmen Steine zu sinken. Was für ein Leben.
Snorre war einfach die Gemütlichkeit und Entspannung in Personalunion.
Nach weniger als zwei Minuten war ich nicht mehr interessant genug,
um Snorre am wegdämmern zu hindern. Keine vier Minuten, nachdem
ich mich ein paar Meter von ihm entfernt auf den Strand gehockt
hatte, schlummerte Snorre tief und leise schnarchend. Weitere zwei
Minuten später musste er der Schwerkraft nachgeben und rollte
langsam den Strand hinunter, bis er halb auf dem Rücken liegen
blieb. Snorre merkte nichts. Im Gegenteil: er fing zu träumen
an. Man kennt so was ja von Onkels Hund und Tantes Katze: das Zucken
der Beine und die Mimik, lassen einen oft erahnen, dass Waldo gerade
ein Karnickel jagt, während Mimi einen Baum erklimmt. Doch
das ich mal einen Meeressäuger - dazu noch einen See-Elefanten
- im Tiefschlaf mit den Flossen paddeln und mit dem Kopf Kurvenschwimmen
andeuten sehen würde, hätte ich mir in meinen
kühnsten Träumen nicht ausgemalt.
Snorre war so entspannt, das es ansteckend war. Das sanfte Rauschen
des Meeres trug seinen Teil dazu bei, dass auch mir die Lieder schwer
wurden. Wäre der Kieselstrand nicht so unglaublich unbequem
ohne die nötigen Fettpolster... ich glaube, ich würde
jetzt noch da unten mit Snorre liegen und im Traum mit ihm um die
Wette paddeln. |
 

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