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Samstag, 07. September 2002 Oamaru, Neuseeland

Also doch!

Nach langen, zähen und nervenaufreibenden Verhandlungen mit dem Department of Conservation ist die Genehmigung für das Snares Projekt erteilt worden! Zumindest für dieses Jahr; alles weitere wird wohl auf die Ergebnisse unserer diesjährigen Expedition ankommen.

Entsprechend sind jetzt alle organisatorischen Schritte angelaufen: Werkzeuge, Arbeitsklamotten und Kommunikationsausrüstung (Funkgerät, Satellitentelefon, Radio) besorgen, Fähre buchen, Generator kaufen - und vor allen Dingen für mich wichtig: GPS Logger testen, die haben wir nämlich endlich erhalten. Doch dazu später mehr. Inzwischen stehen auch unsere Termine für die Snares - am 25. September (also in knapp 3 Wochen) stechen wur mit dem Forvaux Express um 6 Uhr morgens ab Bluff in See; Ankunft Snares voraussichtlich 6 Stunden später. Die Rückkehr ist zurzeit erstmal für den 13. November geplant, hier können wir aber flexibel sein. Das heisst, entweder "früher zurück", wenn alles reibungslos läuft (um dem DOC die uns nur zähneknirschend die Genehmigung erteilten entgegen zu kommen), oder später zurück, falls es dann doch an einigen Ecken hakt - oder wir von einem Sturm isoliert werden.

 

Nun, zu den GPS Loggern. Seit etwa einer halben Woche haben wir die 7 wasserdichten GPS-Prototypen; Dave und ich haben schon einige Stunden damit verbracht, die Logger auf Herz und Nieren zu testen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, bekamen wir schliesslich die Verbindung zwischen den Loggern und meinem Laptop zum Laufen. Die GPS Einheiten arbeiteten tadellos und auch die Positionsaufzeichnung (also das loggen) ist recht akurat - vom Funktionsumfang her also alles im grünen Bereich.

Was mich von Anfang an aber ein wenig heruntergezogen hat, ist das gesamte Design der Geräte, also die Anordnung der einzelnen Komponenten und die Form des Epoxygehäuses. Besonders letzterem kann ich nur wenig abgewinnen: die Logger sehen aus, als hätte Sirtrack die nur Komponenten nur mit Epoxy verspachtelt, ohne groß Wert auf eine hydrodynamische Form zu legen. Insgesamt haben alle Geräte eine "orangenhaut", sind mit Dellen und Beulen übersäht. Also habe ich mir auf die Fahnen geschrieben, die Logger ein wenig zu modifizieren. Ich möchte für die Geräte kleine Epoxymasken bauen, die man den Geräten aufsetzten kann, so dass sie insgesamt eine besser Stromlinienform bekommen. Ich muss dabei zusehen, so wenig Extragewicht wie möglich zu produzieren, denn die Logger sind mit an die 120 Gramm schon ganz schöne Klopper. Ich habe mich mit Balsaholz bewaffnet und werde mich ab Montag in der DOC Werkstatt verkriechen.

***

Unterdessen gehen die Arbeiten in der Oamaru Blue Penguin Colony weiter. Nachdem das ganze Renovierungsprojekt im August zäh wie Kaugummi voranschritt, hat sich in den letzten zwei Wochen enorm viel getan. Kaum waren die Fundamente für die neuen Zuschauertribünen gelegt, als auf einmal die Schreiner mit einem alles übertreffenden Arbeitseifer einfielen. Nach einer knappen Woche, ist das Grundgerüst der neuen Tribüner fertig - und sieht verdammt beeindruckend aus. Und plötzlich kamen auch die Maurer in die Hufe und zogen binnen weniger Tage die Oamaru Stone Mauer hinter der Tribüne hoch (wobei ich die Funktion der Mauer im einzelnen noch nicht ganz begriffen habe).

Die neuen 'grand stands' sollen bis zu 300 Zuschauer fassen können - im Vergleich dazu tun sich die grob gezimmerten alten Tribünen wie luftige Vogelhäuschen aus. Die neuen Tribünen sollen im November vollendet sein. Wenn wir von den Snares zurückkehren, sitzen die Besucher bereits bequem und nobel im Halbrund. Insgesamt mausert sich die OBPC langsam aber sicher, von einem ehemaligen Steinbruch zu einer professionellen Touristenattraktion.

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Am gestrigen Tag begleitete ich Dave auf einem seiner "DOC Aufträge". Er führte Allsion, einer Insektenforscherin aus Christchurch, zur Mündung des Shag Rivers - einem ansehnlichen Estuar. Dummerweise interessierte sich Allison vornehmlich für eine gewisse sehr seltene Moosart, die als Lebensraum für eine ebenso seltene Mottenart fungiert - und nicht für die Löffelschnäbel, die im Estuar durch das Wasser staksten. Da das Moos entlang der Küste zu finden ist, spazierten wir zu dritt auf der Suche nach Moos und Motte am Strand entlang.

Ein ziemlich fauler Seelöwe aalte sich fett und breit auf dem Sandstrand und rülpste uns freudig entgegen. Als Dave den Koloss etwas näher untersuchen wollte, fand der das gar nicht mehr so lustig und musste sich tatsächlich aus der Horizontalen aufrichten, um Dave einmal drohend anzugähnen. Die beiden standen sich gegenüber: es war Zwölf Uhr mittags. Keiner der beiden bewegte sich, nur der Wind sang traurig ein leises Lied. Die Zeit stand still, die Spannung knisterte in der Luft. Allison und ich sahen gebannt zu den beiden Kontrahenten hinüber, Dave's Finger zuckten über den (imaginären) Colts. Und dann... plötzlich...

...machte sich der Löwe gelangweilt wieder lang und verreiste unter Dave's bestürztem Blick ins Lala-Land.

Um die Geschichte schnell zu beenden: etwas später fanden wir auch das Moos, aber nicht die Motte.