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Donnerstag, 10.Oktober 2002 Snares Islands, Neuseeland
Angekommen. Nach der frustrierenden Wartezeit, wissen wir jetzt, was es heißt die Snares zu erreichen. Denn die Überfahrt am Montag bei bestem Wetter und absoluter Flaute, war nichtsdestotrotz die reinste Achterbahnfahrt - eine 6-stündige Achterbahnfahrt wohlgemerkt. Während Dave nach einer Weile die Fische fütterte und Melanie sich in die Horizontale und das Lala-Land verkrümelte, hockte ich mich in unser Gummi-Beiboot an die frische Luft und konzentrierte mich auf die Seevögel um die Foveaux Ferry (die uns "after all" transportierte). Klappte ziemlich gut und eine Menge Vögel gab's auch zu sehen. Die zwei Königsalbatrosse, die - nun ja - "majestätisch" an uns vorbeisegelten, waren sicherlich ein Höhepunkt. Auf den Snares zu landen war noch ein anderes Abenteuer, denn die See vor dem Nadelöhr das sich "Boat Harbour" schimpft, war gut und gerne 2 und mehr Meter...

Nach mehreren Dingi-Transfers stapelten sich die zahlreichen Fischkisten mit unserer Ausrüstung auf den mit Seelöwenschiet zugeknasten Granitfelsen im Boat Harbour. Zu dritt brauchten wir gut und gerne 2 Stunden, den ganzen Kram über einen knöcheltiefen Modderpfad zur vielleicht 50 Meter entfernten Hütte hinaufzuschleppen. Was zum Teil auch daran lag, dass zu Beginn zwei extrem fette Seelöwenbullen mitten auf dem Pfad lagen und uns fies entgegenrülpsten. Irgendwann schlug sich der eine der beiden ins Gebüsch und der andere wälzte sich an uns vorbei ins Meer.

Eine wichtige Pinguinlandestelle liegt unweit der Hütte und ein endloser Trek von Snares Pinguinen watschelt vom dichten Olearia-Wald zum Wasser bzw. vom Wasser zum Wald zurück. Die Pinguinkolonien liegen allesamt in dem nahezu undurchdringlichen Wald und es ist ziemlich tricky durch das Geflecht aus windschiefen und verschlungenen Stämmen zu krabbeln - besonders, weil man acht geben muss nicht in Sturmvogel und Sturmtaucherbauten einzubrechen. Die Pinguine selbst haben sich anscheinend die moddrigsten Ecken und Lichtungen der Snares ausgesucht. Wirklich schauderhaft zu sehen, wie sich die schwarz-weißen Genossen mit Wonne in die tiefbraune Moddersuppe legen. Einige nestbauende Brutnachzügler tauchen regelrecht im Schlamm, um irgendwelche vermoderten Stöcke aus dem Muck zu ziehen. Schwürg! Die meisten Nester sind jedoch vollständig: das Weibchen hockt pennend auf den beiden Eiern, während das Männchen dösend daneben steht. In ein paar Tagen, werden die Männer dann losziehen, während die Weibchen weiter die Eier bebrüten. Dann treten Dave und ich in Aktion. Die ersten GPS Logger gehen dann auf ihre hoffentlich erfolgreiche Jungfernfahrt. Bis dahin organisieren wir uns erst mal und verdauen die ersten Eindrücke.

Zum Beispiel am Abend. Während überall um die Hütte Pinguine krakeelen und Seelöwen husten, erfüllt sich der Himmel mit einsetzender Dämmerung mit tausenden Dunkelsturmtauchern. Die Vögel segeln in endlosen Schleifen über den Inseln - ein riesiger Riesenmoskitoschwarm. Wenn es dunkler wird beginnt dann das Bombardement: die Sturmtaucher (immerhin hühnergroß mit um-und-bei anderthalb Meter Spannweite) krachen mit angelegten Flügeln durch das Geäst und schlagen als lebendige Vogelbomben auf dem weichen Waldboden auf. Und beginnen sofort ihr nervenaufreibendes "Groo-Groo-Groo-Graaaaa!!!!" Die Pinguine stimmen mit ein, später setzen noch die kleineren Sturmvogelarten ihre Akzente in dem nächtlichen Konzert... das man in Dolby Surround in der Hütte mitbekommt.

Dienstag dann erste Orientierung. Und auch gleich die erste Erkenntnis: Kolonie A4, die wir bearbeiten dürfen, ist vollkommen ungeeignet. Also müssen wir umdisponieren. Entgegen der so taff ausgehandelten Genehmigung, werden wir auf Kolonie A3 ausweichen, die etwas weiter von der Hütte entfernt liegt. Wir werden das DOC informieren, aber zugleich vor vollendete Tatsachen stellen - alles andere würde nämlich bedeuten, dass wir hier Urlaub machen könnten. Kolonie A3 ist zugleich die zweitgrößte Kolonie auf den Snares: schlappe 1250 Brutpaare teilen sich hier ein 1200 Quadratmeter Areal. Das bedeutet nicht nur eine verwirrendes Durcheinander von gleichaussehenden schwarz-weißen Gesellen sondern auch ein nicht enden wollender Tumult aus Krächzen, Husten und Wiehern.

Mel hat gestern ihre Observationen an der Kolonie begonnen, während Dave und ich auf der anderen Seite der Pinguinstadt zwei Areale, die für unsere Studien herhalten müssen, begutachtet und kartiert haben. Und schon stoßen wir auf weitere Probleme. Das DOC hat uns nicht erlaubt, die Pinguine in irgendeiner Weise zu markieren (wir hatten Farbpunkte im Sinn). Das macht nicht nur das Identifizieren einzelner Vögel schwierig, sondern macht auch das Überwachen der Nester zu einem halben Ratespiel. Letzteres ist ohne Markierungen nicht anders als Sterne in einer klaren Nacht zählen zu wollen. Nun, wir werden das Beste draus machen.

Im Prinzip warten Dave und ich nur noch darauf, dass der große Trek der Männer losgeht. Denn diese traben mehr oder weniger zur gleichen Zeit (etwa 10 - 12 Tage nach der Ablage des zweiten Eies) los und gehen auf See. Und diesen Zeitpunkt müssen wir abpassen, um unsere GPS Logger nicht zu früh auf den Tieren anzubringen.