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Samstag, 19.Oktober 2002 Snares Islands, Neuseeland

Wir warten. Ist bereits über eine Woche vergangen, seit wir 7 Pinguine mit Loggern ausgerüstet haben (6 GPS Logger und 1 TDR). Alle unserer Vögel sind auf See, die Weibchen dösen seit einigen Tagen solo auf ihren Nestern, von einigen Abreibungen, die sie von Hooligans und böswilligen Nachbarn verpasst bekommen, mal abgesehen. Insgesamt ist es merklich ruhiger geworden in der Kolonie. Nur vereinzelte Trompetenkonzerte von Paaren, die ihre Nester verloren haben und immer wieder das dumm-dumm-dumm von Flippern aggressiver Pinguine auf den Rücken einsamer Weibchen.

Vor einigen Tagen wurden wir Zeuge eines äußerst sonderbaren Falls von Nestaggressivität. Ein Weibchen vertrimmte mit Brachialgewalt ein anderes inkubierendes Weibchen. Es war bei weitem der brutalste Kampf, den ich bis dato beobachtet habe. Nach eine guten viertel Stunde des Hackens und Schlagens, schaffte es das angreifende Weibchen schließlich das inkubierende Tier vom Nest zu schleifen - nur um nach gewonnenem Kampf selbst die Inkubation zu übernehmen! Wir haben keine Ahnung, was das sollte. War das angreifende Weibchen vielleicht die tatsächliche Hausherrin? Oder einfach eine frustrierte kinderlose Mutter, die endlich zu ihrer eigenen Brut kommen wollte? Leider liegt das Nest außerhalb Daves/meiner sowie Melanies Observationsgruppen, so dass wir keine Information über die Historie dieses Nestes haben. Mel und ich wurden überhaupt nur auf dieses Nest aufmerksam, weil die Flipperschläge während des Kampfes wie Donnergrollen über der Kolonie hingen. Das war vor nunmehr 4 Tagen. Das Nest wird weiterhin bebrütet; schwer zu sagen, ob es die Angreiferin ist, die auf den Eiern hockt. Wir beobachten weiter.

Ansonsten gibt nicht viel zu tun für die Weibchen, außer die Eier alle Nase lang zu wenden, die Flipper zu strecken, den Hals zu recken und sich dann wieder auf den Eier niederzulassen. Dementsprechend gibt es aus der Kolonie auch nicht viel zu berichten. Von der Landungsstelle nahe der Hütte jedoch schon. Dort wurden Melanie und ich nämlich am 15. Oktober gegen 18.30 Uhr Zeuge, wie unser TDR Logger Vogel auf See ging. Ich hockte im Abendlicht und fotografierte Pinguine, die zwischen den Felsen dem Meer entgegen hopsten, als mit plötzlich der Loggervogel vor die Linse hüpfte! Ich konnte es nicht fassen! In dem endlosen Strom von Pinguinmännchen der letzten Tage war es wahrscheinlicher eine Nadel im Heuhaufen zu finden, als einen unserer Vögel bei der Abfahrt zu beobachten. Immerhin schätzen wir, dass etwa 4.000 Männchen unsere Landungsstelle nutzen.

Der Pinguin schien nicht im geringsten von dem Logger beeinträchtigt zu werden. Im Gegenteil, er führte einen 10 Mann starken Trupp an. Die Pinguine trauen sich selten alleine ins Wasser. Stattdessen watschelt immer ein Vogel voraus und ein paar andere hungrige Individuen schließen sich ihm an. Wenn eine Welle hereinrollt, stürzt sich der ganze Trupp dann gemeinsam in die Fluten - oftmals in nahezu halsbrecherischer Manier, weil man die Welle unterschätzt hat. In diesem Fall purzeln die Vögel ein, zwei Meter über Kelp bewachsene Felsen ins Meer. Um dann schließlich die nächsten 500 Meter im schnellen Oberflächentauchgang, verbunden mit dem so genannten "porpoising" - dem delphinartigen Herausschnellen aus dem Wasser, zurückzulegen.

Noch eine traurige Notiz am Rande. Vorgestern habe ich meine Digital Kamera zu Grabe getragen. Sie fiel mir in einem unbedachten Moment aus der Tasche und kullerte prompt in die einzige Pfütze in der Nähe. Totalschaden. 3 Monate hat das Ding gehalten. Nachdem meine Spiegelreflexkamera in den ersten Tagen mit einem Motorschaden das zeitliche gesegnet hat, bin ich fototechnisch erblindet. Doch immerhin haben wir noch Daves Kameras - eine Spiegelreflex sowie eine Digitaler Camcorder, mit dem man auch Standbilder aufzeichnen kann.