Wir warten. Ist bereits über
eine Woche vergangen, seit wir 7 Pinguine mit Loggern ausgerüstet
haben (6 GPS Logger und 1 TDR). Alle unserer Vögel sind auf
See, die Weibchen dösen seit einigen Tagen solo auf ihren Nestern,
von einigen Abreibungen, die sie von Hooligans und böswilligen
Nachbarn verpasst bekommen, mal abgesehen. Insgesamt ist es merklich
ruhiger geworden in der Kolonie. Nur vereinzelte Trompetenkonzerte
von Paaren, die ihre Nester verloren haben und immer wieder das
dumm-dumm-dumm von Flippern aggressiver Pinguine auf den
Rücken einsamer Weibchen.
Vor einigen Tagen wurden wir Zeuge eines äußerst sonderbaren
Falls von Nestaggressivität. Ein Weibchen vertrimmte mit Brachialgewalt
ein anderes inkubierendes Weibchen. Es war bei weitem der brutalste
Kampf, den ich bis dato beobachtet habe. Nach eine guten viertel
Stunde des Hackens und Schlagens, schaffte es das angreifende Weibchen
schließlich das inkubierende Tier vom Nest zu schleifen -
nur um nach gewonnenem Kampf selbst die Inkubation zu übernehmen!
Wir haben keine Ahnung, was das sollte. War das angreifende Weibchen
vielleicht die tatsächliche Hausherrin? Oder einfach eine frustrierte
kinderlose Mutter, die endlich zu ihrer eigenen Brut kommen wollte?
Leider liegt das Nest außerhalb Daves/meiner sowie Melanies
Observationsgruppen, so dass wir keine Information über die
Historie dieses Nestes haben. Mel und ich wurden überhaupt
nur auf dieses Nest aufmerksam, weil die Flipperschläge während
des Kampfes wie Donnergrollen über der Kolonie hingen. Das
war vor nunmehr 4 Tagen. Das Nest wird weiterhin bebrütet;
schwer zu sagen, ob es die Angreiferin ist, die auf den Eiern hockt.
Wir beobachten weiter.
Ansonsten gibt nicht viel zu tun für die Weibchen, außer
die Eier alle Nase lang zu wenden, die Flipper zu strecken, den
Hals zu recken und sich dann wieder auf den Eier niederzulassen.
Dementsprechend gibt es aus der Kolonie auch nicht viel zu berichten.
Von der Landungsstelle nahe der Hütte jedoch schon. Dort wurden
Melanie und ich nämlich am 15. Oktober gegen 18.30 Uhr Zeuge,
wie unser TDR Logger Vogel auf See ging. Ich hockte im Abendlicht
und fotografierte Pinguine, die zwischen den Felsen dem Meer entgegen
hopsten, als mit plötzlich der Loggervogel vor die Linse hüpfte!
Ich konnte es nicht fassen! In dem endlosen Strom von Pinguinmännchen
der letzten Tage war es wahrscheinlicher eine Nadel im Heuhaufen
zu finden, als einen unserer Vögel bei der Abfahrt zu beobachten.
Immerhin schätzen wir, dass etwa 4.000 Männchen unsere
Landungsstelle nutzen.
Der Pinguin schien nicht im geringsten von dem Logger beeinträchtigt
zu werden. Im Gegenteil, er führte einen 10 Mann starken Trupp
an. Die Pinguine trauen sich selten alleine ins Wasser. Stattdessen
watschelt immer ein Vogel voraus und ein paar andere hungrige Individuen
schließen sich ihm an. Wenn eine Welle hereinrollt, stürzt
sich der ganze Trupp dann gemeinsam in die Fluten - oftmals in nahezu
halsbrecherischer Manier, weil man die Welle unterschätzt hat.
In diesem Fall purzeln die Vögel ein, zwei Meter über
Kelp bewachsene Felsen ins Meer. Um dann schließlich die nächsten
500 Meter im schnellen Oberflächentauchgang, verbunden mit
dem so genannten "porpoising" - dem delphinartigen Herausschnellen
aus dem Wasser, zurückzulegen.
Noch eine traurige Notiz am Rande. Vorgestern habe ich meine Digital
Kamera zu Grabe getragen. Sie fiel mir in einem unbedachten Moment
aus der Tasche und kullerte prompt in die einzige Pfütze in
der Nähe. Totalschaden. 3 Monate hat das Ding gehalten. Nachdem
meine Spiegelreflexkamera in den ersten Tagen mit einem Motorschaden
das zeitliche gesegnet hat, bin ich fototechnisch erblindet. Doch
immerhin haben wir noch Daves Kameras - eine Spiegelreflex sowie
eine Digitaler Camcorder, mit dem man auch Standbilder aufzeichnen
kann. |
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