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Sonntag, 27. Oktober 2002 Snares Islands, Neuseeland

Enttäuschung. Bislang steht das Projekt alles andere als unter einem guten Stern. So ziemlich alles was schief gehen kann ging bislang schief. Das fing mit den endlosen, nervenaufreibenden Genehmigungsdiskussionen an. Zog sich dann nach der mit knirschenden DOC-Zähnen erteilter Genehmigung weiter hin mit zwei Sturmwochen, die uns daran hinderten zu den Inseln zu gelangen. Als Krönung dann das unerwartete Ableben dreier unser 4 Tauchlogger (TDRs) in der ersten Woche der Feldarbeit (mal ganz von meinen Fotokameras abgesehen). Eigentlich haben wir alles Recht endlich mal auf ein Quentchen Glück zu hoffen. Doch das scheint gerade im Schlussverkauf ausgegangen zu sein.

Am Freitag hockte ich am Landungspunkt der Pinguine. Seit ein paar Tagen trudeln langsam aber sicher die vollgefutterten und zum Teil unglaublich fetten Pinguin-Männchen wieder auf der Insel ein, um ihrer brütenden Gattinen auf dem Nest abzulösen. Entsprechend erwarten wir auch unsere ausgerüsteten Logger-Pinguine zurück. Und deswegen hockte ich auf den Felsen, schielte jedem kugelrunden Pinguin, der in Richtung Wald unterwegs war auf den Rücken. Plötzlich der Schock! Da war tatsächlich einer unserer Knaben! Und Dave zu dem Zeitpunnkt oben bei der Kolonie um die Nester zu checken. Ich griff mir unseren "Pinguinkescher" und angelte den Loggervogel. Mit dem (zu Recht) erbosten Pinguin verkroch ich mich in unserer Laborhütte, stülpte ihm eine Kappe über und machte mich daran den Logger und das Tesa Tape aus dem Gefieder zu entfernen. Der Vogel war während der ganzen Zeit unglaublich ruhig - als wüßte er, daß er endlich - nach 12 Tagen auf See! - diesen nervigen Rucksack loswerden würde.

Keine 15 Minuten nachdem ich den Pinguin gefangen hatte, war er frei und machte sich empört auf den Weg nach Hause. (Mel sah den Vogel etwa eine Stunde später an seinem Nest ankommen.) Ich wetzte, mit vor Aufregung im Hals klopfenden Herzen, zur Hütte, fuhr meinen Computer hoch. Ich hatte den Logger noch nicht angeschlossen, als Dave in die Hütte stürmte. "Und???", rief er. Ich klickte auf "Daten herunterladen". Das Herunterladen dauerte nur einen Bruchteil einer Sekunde. Mit wurde ein wenig flau. Ich klickte mich zum Verzeichnis mit den heruntergeladenen Daten. Ich wurde kreidebleich - die Datei war nur 3 Kb gross. "Was...?", fragte Dave erschreckt. "Kaum Daten auf dem Logger", erwiderte ich. Ich öffnete die Loggerdatei. 16 GPS Positionen waren im Speicher. Allesamt auf der Insel. Nicht eine Position auf See - und da war der Vogel ganze 12 Tage! Ums anders auszudrücken... eine riesen Schlag ins Wasser.

Gestern kam dann der zweite Loggervogel zu seinem Nest zurück. Dave und ich erleichterten den Vogel am Abend von seiner GPS Loggerlast. Wie auch der erste Vogel, hielt der Pinguin still. Das Tesa-Tape ließ sich gut von den Federn lösen und am Ende, war nichts davon zu sehen, daß der Knabe für zwei Wochen einen Logger mit sich herumschleppen musste. Mit gedämpften Erwartungen, luden wir später in der Hütte die Daten herunter. Alle Achtung: 20 Kb Daten. Dummerweise alle gespeicherten Positionfixe auf der Insel. Nicht ein einzige Position während der Vogel auf See war.

Heute schließlich drei der fünf noch ausstehenden Vögel auf dem Nest. Allesamt GPS Vögel. Mit grimmiger Gewißheit machte ich mich auf den Weg zur Hütte, nachdem Dave und ich die Logger in der Kolonie von den Pinguinen entfernt hatten. Als ich schließlich die Daten herunterlud, gab es keine Überraschung. Alle Logger haben ihren Dienst versagt, sobald die Pinguine auf See gingen.

Nach diesen Tiefschlägen, ist unsere Hoffnung irgendetwas brauchbares aus den GPS Loggern zu gewinnen auf Null gesunken. Das schlimmste an der Sache ist, daß wir die Vögel mit diesen hinderlichen Klötzen zwei Wochen lang auf See geschickt haben für rein gar nichts. Uns fehlen jetzt noch ein GPS Logger und der TDR. Letzterer ist des einzige Gerät, von dem ich mir noch Daten erhoffe.

Dave und ich brüten über den GPS Loggern. Mehr und mehr erscheint es uns, als ob die Geräte nicht nur in ihrer Form, sondern auch im elektronischen Design ziemlich daneben sind. Unsere einzige Hoffnung ist es nun, die Geräte zu modifizieren, dass wir vielleicht doch noch etwas aus den Dingern hervorquetschen können. Viel können wir nicht tun, denn letztendlich kommt es auf die GPS Einheiten im Logger an. Wenn diese Einheiten zu langsam sind, hilft alles modifizieren nichts.