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Dienstag, 12. November 2002 Snares Islands, Neuseeland

War irgendwie abzusehen... heute ist Dienstag, der Tag unserer geplanten vorgezogenen Abreise von den Snares. Trotzdem finde ich Zeit und Muße einen weiteren Eintrag in unser Projekttagebuch zu machen. Nun, uns hat ein Hoch über der Tasmansee und ein Tief über dem Süden der neuseeländischen Südinsel einen Strich durch die Rechnung gemacht. In den letzten vier Tagen sind 3 Fronten über uns hinweg gezogen. Und laut Wettervorhersage stehen noch einige Fronten in der Schlange. Wie dem auch sei... heute werden wir nicht abgeholt. Morgen wohl auch nicht und Donnerstag steht auch in den Sternen.

Erst kamen wir nicht hin und jetzt kommen wir nicht weg. Die Snares Islands wissen auch nicht was sie mit uns anfangen wollen. Unsere Arbeiten sind abgeschlossen; zusätzliche Beobachtungen, um die Zeit sinnvoll zu nutzen, sind uns nicht gestattet. Also sitzen wir in der Hütte, lesen trinken Kaffee oder Tee und lauschen den Böen, die die Balken der Hütte stöhnen lassen. Und hoffen, dass uns die roaring forties bald gehen lassen.

Also nutze ich doch die Tatsache um ein wenig über die Snares Inseln und deren Bewohner zu schreiben - aus der Sicht des Besuchers sozusagen. Wer weiß wieviel Zeit ich noch mit Warten zu verbringen habe... vielleicht bekomme ich ja noch ein paar nette Einträge in den nächsten Tagen zu Wege... Anfangen will ich mal mit den sicherlich dominantesten Einheimischen...

 
Die Seelöwen der Snares Islands

Ich könnte jetzt schreiben, dass ich meine erste Begegnung mit den Seelöwen (Phocarctos hookeri) hatte, kurz nachdem ich vom Dingi ans Ufer der Snares Islands gesprungen war - dort lagen nämlich zwei (für mich damals riesig erscheinende) Seelöwen quer über den schmalen Trampelpfad zu den Hütten. Doch angesichts der Erlebnisse, die ich seitdem mit den Seelöwen hatte, erscheinen diese beiden Brecher, die sich trollten, als wir die ersten Kisten zur den Hütten hinaufzuschleppen begannen, ungefähr so aufregend wie Spatzen im Park - die Seelöwen auf den Snares schlafen grundsätzlich überall und in jeder Stellung. Nein, meine erste Begegnung mit einem Seelöwen, hatte ich persönlich am Abend des ersten Tages.

Und zwar ist es so, dass wir hier ein so genanntes Kompost-Klo haben. Kein ordinäres Plumpsklo, wie man es in Neuseelands "backcountry" häufig findet. Um die Kompostierungsvorgänge in dem hier vorhandenen nicht unnötig zu behindern, sollte man nach Möglichkeit selbiges nicht zum Pinkeln verwenden. Daher galt für Dave und mich die Maxime "zum Pinkeln gehe man auf die Felsen". Die Felsen erreicht man über eine kurzen Holzweg, der sich vielleicht 30 Meter schmal durch den lichten Olearia Busch zieht. Kurz bevor man auf die Felsen gelangt, macht der Weg eine 90 Grad Kurve um einen hohen Farnbusch. Eben dieser Farnbusch wird gerne von Seelöwen zum "darunter schlafen" frequentiert. Das war mir schon im Laufe dieses ersten Tages aufgefallen. Und schon bei Tageslicht war es recht unheimlich, wenn einer der Kolosse müde ein Lid hob und den passierenden Zweibeiner mit seinem großen braunen, immerzu tränenden Auge zu begutachten. Zudem waren die Seelöwen an diesem ersten Tag aber auch bedacht uns Zweibeinern klarzumachen, wer hier der Herr im Hause ist und nutzen jede sich bietende Gelegenheit sich schwerfällig aufzurichten, das Maul aufzureißen und uns anzubellen. Ziemlich beeindruckend, ganz ehrlich, wenn so ein 3-Meter-Brummer plötzlich keinen halben Meter neben einem aus dem Farn auftaucht und sein "HUUAARFFGGG!!!" von sich gibt.

Es war dunkel. Ich musste mal. Also schnappte ich mir meine Kopflampe und trat in die Dunkelheit hinaus, die von dem sonoren Gegurre von Dunkesturmtauchern erfüllt war. Leise schlich ich den Holzweg entlang rechts und links den Busch ausleuchtend. Ich hatte wenig Lust im dunklen vom einem der Pelzmonster angebellt zu werden. So tapste ich vorsichtig an die 90° Kurve heran, lugte vorsichtig um die Ecke und leuchtete den Boden unter dem Farnbusch aus. Nur eine plattgelegene Modderkuhle - keine bepelzter Schläfer? Vorsichtig bewegte ich mich um die Kurve, um einen besseren Blickwinkel zu erlangen. Tatsächlich! Kein Seelöwe mehr da. Puh!, dachte ich und tat einen erleichtert-beherzten Schritt gen Felsen - und trampelte dem gerade eben erwachten und sich mitten auf dem Weg befindenden Koloss gewaltig auf die Hinterflossen.

Ich bekam fast einen Herzinfarkt, als ich den ungewohnten Widerstand unter der Sohle spürte und plötzlich ein 20 Meter großer Kopf in der Dunkelheit herum schwang und mich mit leuchtenden, tellergroßen Augen ansah... oder so ähnlich. Mein Herz raste mir im Hals, meine Augen traten mir fast aus dem Kopf. Mit wehenden Haaren floh ich den Holzweg zurück zur Hütte und erwartete jeden Moment von einem übel riechenden Seelöwenmaul im Nacken gepackt zu werden... oder schlimmer noch... von den gewaltigen Fleischmassen zwischen die Bohlen des Wegen gequetscht zu werden!

Klar, dass meine Leidensgeschichte bei den Mitstreitern in der sicheren Hütte mit Gelächter der übelsten Sorte bedacht wurde. Doch jeder bekam sein Fett weg. Dave - der sich bei seinem dritten Snares Aufenthalt als Seelöwen erprobt betrachtet - hatte einige haarscharfe Konfrontationen mit einem gewissen Barney am Wassertank unterhalb unserer Hütte. Jener Barney rekelte sich mit Vorliebe seitlich des Weges, der Hütte, Wassertank und Labor verbindet. Kein Wunder, wenn er ein wenig grantig reagiert wenn ständige irgendwelche zweibeinigen Bohnenstangen an ihm vorbei marschieren - treppauf, treppab... zum verrückt werden! Und so entschied er sich uns (und vor allen Dingen Dave) ab und an gehörig den Marsch zu blasen ("HHUUUAAARFGGH!!!"). Nicht selten war solchermaßen unser direkter Zugang zum Waschwassertank blockiert.

An einem anderen Tag, markierte Dave einmal mehr den starken Mann und machte sich über einen anderen Barney lustig (irgendwie heißen die meisten Seelöwen der Snares 'Barney'). Bloß um von dem (zu Recht!) erzürnten Meeressäuger mit Seelöwenschimpfwörtern der unflätigsten Sorte bedacht zu werden.

Nach einer Woche hatten sich die Seelöwen an uns und wir uns an die Seelöwen in der näheren Umgebung der Hütte gewöhnt. Mittlerweile können wir uns schon glücklich schätzen, wenn einer der Brummer auch nur ein Auge öffnet, um uns kurz zu betrachten, während wir mit einem Riesenschritt über das auf dem Weg pennenden Flossentier steigen.

Zwei äußerst unangenehme Angewohnheiten haben wir den Burschen noch nicht abgewöhnen können. Das erste wäre das haltlose in die Gegend Gekotze. Seelöwen ernähren sich mit Vorliebe von großen Kopffüßern und Fischen. Beide diese Tiergruppen haben jedoch auch schwer verdauliche Bestandteile... bei den Tintenfischen vornehmlich die zum Teil gewaltigen Schnäbel, bei den Fischen das Gräten bewehrte Rückgrat. Und was nicht verdaut werden kann muss halt raus. Und so reihert ein guter Seelöwe sein zwei- bis dreimal am Tag. Ein rechtes Schauspiel, wenn sich die Tiere aufsetzen und dann der Körper erst einmal ein paar Minuten von krampfartigen Würganfällen geschüttelt wird, bevor die Speiladung dann mit heftigem Kopfschütteln in der Gegend verteilt wird. Unangenehm aus unserer Sicht ist, dass die Seelöwen ihren unappetitlichen Gewohnheiten auch auf unseren Wegen nachgehen (und nicht selten vor Erschöpfung im eigenen Erbrochenen einschlummern).

Interessanterweise finden sich in dem Erbrochenen nicht nur unverdaute Körperteile unglücklicher Beutetiere, sondern auch zum Teil ganze Ladungen von Steinen, die im Magen die Funktion von Mühlsteinen erfüllen. Als vor Jahrzehnten Geologen die Snares Islands besuchten, waren sie zunächst extrem aufgeregt: sie fanden vulkanisches Basaltgestein auf einer reinen Granitinsel! Oh Wunder!!! Bis einer der Forscher eben jenes oben beschriebene Schauspiel beobachtete und ihm ein Licht aufging. Die Seelöwen der Snares Islands sind größtenteils Bullen. Und zwar jüngere Bullen, die in den eigentlichen Brutgebieten der Seelöwen - den vulkanischen Auckland Islands - gegen die erfahrenen alten Haremsherren keine Chance haben bzw. erst noch wachsen müssen, um ein Wörtchen bei der Damenwahl mitreden zu können. So reisen die Jungspunde ab und an zu ihrer Heimatinsel um nachzusehen, wie ihre Chancen stehen - und schlucken bei diesem Behufe den einen oder anderen Basaltbrocken.

Auf die zweite unangenehme Angewohnheit der Seelöwen möchte ich lieber nicht detailliert eingehen. Nur soviel... es stinkt, ist oft mit äußerst unanständigen Lautäußerungen verbunden und man tritt häufig in das Endprodukt (weil die Burschen das Zeug auf der ganzen Insel hemmungslos von sich geben).

Wie schon mehrfach erwähnt... die Seelöwen sind überall. Kein Berg ist zu hoch, kein Dickicht zu dicht, um sie an der Suche nach dem besten Schlafplatz zu hindern. Ist erst mal ein nettes Plätzchen gefunden, schnarchen die Tiere nicht selten völlig entspannt für ein paar Tage, bevor das Magenknurren sie zu einer schwerfälligen Wanderung zurück ins Meer animiert. Manche Seelöwen finden unsere Hütten und angrenzenden Strukturen (zum Beispiel unseren Benzinschuppen) als Schlafstätten äußerst reizvoll. In diesem Fall haben wir oft mit blockierten Wegen zu kämpfen. Aber immerhin sieht man die Tiere.

Denn schlimmer sind die Bullen, die sich im Wald lang machen. Auf unseren täglichen Märschen hinauf zur Pinguinkolonie, stolperten wir nicht selten über einen empörten Barney. Und wenn einem das erst mal ein, zweimal passiert ist, ist man davon überzeugt, dass es sich lohnt solche Konfrontationen zu vermeiden. Doch wie, wenn die Tiere unter den Farnen schlafen? Ganz einfach... man achtet einfach auf die Möwen! Wann immer eine schillernd weiße Möwe inmitten des Grüns des Waldes auftaucht, ist man gewarnt. Die Möwen machen sich die Speiangewohnheiten der Seelöwen auf ihre Weise zu nutze, in dem sie das Erbrochene nach soliden Brocken durchforsten.

Nicht selten entdeckt man die Möwen vor den Seelöwen. In dem Falle ist größte Aufmerksamkeit anzuraten. Stehen bleiben und ruhig sein... vielleicht verrät ein dünnes Schnarchen das Wo des Seelöwen. Wenn nicht... sind vorsichtiges Voranschreiten und behutsames Farne aus dem Weg Schieben dringendst erforderlich. Jedenfalls wenn man nicht hinterrücks von einem als Baumstamm verkleideten Seelöwen angerülpst werden will. Oftmals ist das Gespann Löwe/Möwe aber auch von weitem zu erspähen, so dass man durch einen kleinen Schlenker, den direkten Kontakt vermeiden kann.

Nichtsdestotrotz ist eine Möwe im Wald stets für einen gesteigerten Adrenalinpegel gut.

Weniger erschreckend verhält es sich mit den jungen, nahezu als zierlich zu bezeichnenden Seelöwen, die nicht älter als zwei Jahre auf dem Buckel haben. Die Jungspunde sind erheblich beweglicher als ihre älteren und unglaublich fetteren Artgenossen und vermögen daher auch mit behänder Leichtigkeit die entlegensten Ecken der Inseln zu erkunden. Zum Beispiel das Areal unserer Pinguinkolonie A3, die fast mittig auf North East Island liegt. Vor zwei Wochen machte ich bei meinen täglichen Nestchecks Bekanntschaft mit 0134, einer jungen spielfreudigen Seelöwin, die sich meine Lichtung als Schlafstätte ausgesucht hatte. 0134... das war jedenfalls ihr offizieller Name, den sie auf einer Flippermarkierung mit sich herumtrug.

Das DOC unterhält seit einigen Jahren ein Markierungsprogramm für Hooker's Seelöwen. Die Seelöwen wurden im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Robbenschlägen fast gänzlich ausgerottet. Die Gesamtpopulation war auf einige Individuen reduziert und entsprechend lange braucht es, bis die Seelöwenzahl wieder in den Bereich der ursprünglichen Stärke gelangt. Sie ist noch weit davon entfernt. Das Markierungsprogramm dient der Überwachung der Populationsentwicklung... denn jenseits jeder Gefahr sind die Seelöwen nicht. Dummerweise interessieren sich die Tiere für die gleiche Größenklasse von Fischen, wie die neuseeländische Hochsee-Fischerei. Und nicht wenige Seelöwen verenden in den Maschen riesiger Schleppnetze.

Doch zurück zu 0134. Mir gefiel der Name nicht sonderlich und Barney ist nichts für Mädchen. Weil die Kleine jedoch mit solcher Vehemenz daran interessiert war mich zu erschrecken, nannte ich sie 'Bogey'. Als ich auf die Lichtung trat, stürmte Bogey auf mich zu, blaffte mich mit weit aufgerissenem Maul an, um dann wieder das Weite zu suchen. Eine halbe Minute später folgte dann die nächste dieser Attacken. Immer und immer wieder. Leider war Bogey so klein, dass sie mir überhaupt keinen Respekt einflößte und ich mich stattdessen auf meinem üblichen Sitzplatz breit machte und mich den Pinguinen widmete.

Doch das Rööö-Rööö in meinem Rücken konnte ich nicht ignorieren. Bogey wollte nun mal Eindruck schinden und so ließ ich die Pinguine für eine Weile ruhen und spielte ein paar Mal den Erschrockenen für die Seelöwin. Das machte ihr offensichtlich Spaß. Sie vollführte ein paar Finten gekoppelt mit einem dünnen Bellen, dann wetzte sie über die Lichtung, um sich ein paar Meter von mir entfernt platt ins Gras fallen zu lassen. Wie ein Indianer robbte sie nach einer halben Minute wieder heran, um ihr Fintenspiel auf ein neues durch zu ziehen. Irgendwann ermüdete die junge Seelöwin und schlief einfach ein, als sie sich im Gras versteckte. Jetzt konnte ich meine Pinguinbeobachtungen zu Ende bringen.

So behäbig und schwerfällig Seelöwen an Land sein mögen - besonders die massigen, älteren Bullen haben den Charme eines Bulldozers: im Wasser sind sie extrem gewandt. Immer wieder können wir Zeuge dieser Gewandtheit werden, wenn junge Bullen im Boat Harbour unterhalb der Hütte im Wasser spielen. Oft sind es kleine Schaukämpfe, Rangeleien oder eine Art aquatisches Nachlaufen. Die Kerls flitschen torpedoartig durch das Wasser und nicht selten hat es den Anschein, dass sie dabei ihren Körper an physikalische Grenzen bringen. Die Außenhülle des Seelöwenkörpers scheint, dem Prinzip der Trägheit der Masse folgend, dem Rest des Körpers nicht nachfolgen zu können, so dass man sich nicht des Gefühls erwehren kann, dass das Tier jeden Moment nackig aus seiner pelzigen Haut fahren muss.

Neben den Seelöwen finden sich noch zwei weitere Meeressäugerarten auf den Snares. Zum einen neuseeländische Pelzrobben (Arctocephalus fosteri). Auch (oder besonders) die Pelzrobben wurden ihres Felles wegen stark bejagt und fast ausgerottet. Nur eine Handvoll dieser Tiere überlebten bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Heute erholen sich auch die Pelzrobben von der menschlichen Schlächterei... und sind im Gegensatz zu den Löwen, extrem scheu dem Menschen gegenüber. Kommt man einer Pelzrobbe aus Versehen zu nah (weil man das Tier nicht bemerkte) wird man mit einer panikartigen Flucht und hohen Jaullauten bestraft, die erst enden, wenn die Robbe im Wasser verschwunden ist. Entsprechend versuchen wir die exponierten Felsen der Insel zu meiden...

Dreimal hatten wir bisher auch das seltene Vergnügen einem Seeleoparden (Hydrurga leptonyx) zu begegnen. Seeleoparden gelten gemeinhin als die ultimativen Jäger der subantarktischen und antarktischen Gewässer. Im Gegensatz zu den anderen Robben- und Seehundarten, konzentrieren sich Seeleoparden auf größere Beutetiere als Fische und Tintenfisch. Sie haben es auf Pinguine und junge Meeressäuger abgesehen. Einem auf am Pinguinlandungspunkt schlummernden Leo schlich ich ein wenig näher auf die Pelle, als das graue schlangenartige Tier müde seinen Kopf hob und mich mit seinem Arsenal blitzend weißer, unglaublich spitzen Reißzähnen angähnte. Ich war beeindruckt... und dachte, dass ein rascher Rückzug angeraten wäre.

Doch auf dem Land sind Seeleoparden ziemlich harmlos, denn sie entstammen der Familie der Seehundartigen (Phocoridae). Im Gegensatz zu den Ohrenrobben (Otoridae) - wie zum Beispiel Seelöwen, aber auch Pelzrobben - können die Seehundartigen nicht ihre Hinterflossen unter den Körper klappen und so auf dem Land als Laufbeine verwenden. Daher sind beschränkt sich die Fortbewegung von Seeleoparden auf ein extrem schwerfälliges Mit-den-Vorderflossen-Vorwärtsrobben; was auch erklärt warum die Tiere stets nah am Wasser schlafen.

Und eben diese Unbeweglichkeit des Seeleoparden kam auch den Pinguinen zugute, denn unsere zweite Begegnung mit dem Jäger hatten wir mitten auf der Landungsstelle der Pinguine unweit der Hütte. Die Vögel watschelten anscheinend ahnungslos - aber doch außer Reichweite - an dem dösenden Leo vorbei ins Meer.

Um die Sache abzurunden, noch rasch unsere dritte Begegnung mit dem Seeleoparden. Dave und ich kraxelten einen Tag über die Felsen zu einer schmalen Bucht die sich Cod Cave nennt. Hier bohrt sich eine schmale Höhle tief ins Innere der Insel (wir haben keine Ahnung wie weit sich die Kaverne ins Gestein erstreckt). Die Cod Cave erschien uns wie ein Tauchparadies: glasklares Wasser, üppiger Felsenbewuchs und gut geschützt von der Brandung. Wir sinnierten gerade ob man es wagen könnte mit all den Seelöwen in der Gegend hier mal mit einem Schnorchel unterwegs zu sein, als sich wie ein Gespenst der Seeleopard aus den Tiefen der Cod Cave materialisierte, die Oberfläche durchbrach und zu uns hinauf blinzelte. Dave und ich waren einen Augenblick sprachlos, denn der Blick des Leoparden sprach Bände: "Oh ja... holt eure Schnorchel... ich wart solange auf euch... für euch setze ich sogar meine Pinguindiät ab..."

Als ich meine Sprache wieder fand, blickte ich in Daves überraschtes Gesicht und sagte nur: "Auf der anderen Seite... ist mir das Wasser hier zu kalt zum Schnorcheln." - "Jap, glaube da hast du recht", antwortete Dave.