War irgendwie abzusehen...
heute ist Dienstag, der Tag unserer geplanten vorgezogenen Abreise
von den Snares. Trotzdem finde ich Zeit und Muße einen weiteren
Eintrag in unser Projekttagebuch zu machen. Nun, uns hat ein Hoch
über der Tasmansee und ein Tief über dem Süden der
neuseeländischen Südinsel einen Strich durch die Rechnung
gemacht. In den letzten vier Tagen sind 3 Fronten über uns
hinweg gezogen. Und laut Wettervorhersage stehen noch einige Fronten
in der Schlange. Wie dem auch sei... heute werden wir nicht abgeholt.
Morgen wohl auch nicht und Donnerstag steht auch in den Sternen.
Erst kamen wir nicht hin und jetzt kommen wir nicht weg. Die Snares
Islands wissen auch nicht was sie mit uns anfangen wollen. Unsere
Arbeiten sind abgeschlossen; zusätzliche Beobachtungen, um
die Zeit sinnvoll zu nutzen, sind uns nicht gestattet. Also sitzen
wir in der Hütte, lesen trinken Kaffee oder Tee und lauschen
den Böen, die die Balken der Hütte stöhnen lassen.
Und hoffen, dass uns die roaring forties bald gehen lassen.
Also nutze ich doch die Tatsache um ein wenig über die Snares
Inseln und deren Bewohner zu schreiben - aus der Sicht des Besuchers
sozusagen. Wer weiß wieviel Zeit ich noch mit Warten zu verbringen
habe... vielleicht bekomme ich ja noch ein paar nette Einträge
in den nächsten Tagen zu Wege... Anfangen will ich mal mit
den sicherlich dominantesten Einheimischen...
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| Die Seelöwen der
Snares Islands |
Ich könnte jetzt
schreiben, dass ich meine erste Begegnung mit den Seelöwen
(Phocarctos hookeri) hatte, kurz nachdem ich
vom Dingi ans Ufer der Snares Islands gesprungen war
- dort lagen nämlich zwei (für mich damals
riesig erscheinende) Seelöwen quer über den
schmalen Trampelpfad zu den Hütten. Doch angesichts
der Erlebnisse, die ich seitdem mit den Seelöwen
hatte, erscheinen diese beiden Brecher, die sich trollten,
als wir die ersten Kisten zur den Hütten hinaufzuschleppen
begannen, ungefähr so aufregend wie Spatzen im
Park - die Seelöwen auf den Snares schlafen grundsätzlich
überall und in jeder Stellung. Nein, meine erste
Begegnung mit einem Seelöwen, hatte ich persönlich
am Abend des ersten Tages.
Und zwar ist es so, dass wir hier ein so genanntes
Kompost-Klo haben. Kein ordinäres Plumpsklo, wie
man es in Neuseelands "backcountry" häufig
findet. Um die Kompostierungsvorgänge in dem hier
vorhandenen nicht unnötig zu behindern, sollte
man nach Möglichkeit selbiges nicht zum Pinkeln
verwenden. Daher galt für Dave und mich die Maxime
"zum Pinkeln gehe man auf die Felsen". Die
Felsen erreicht man über eine kurzen Holzweg, der
sich vielleicht 30 Meter schmal durch den lichten Olearia
Busch zieht. Kurz bevor man auf die Felsen gelangt,
macht der Weg eine 90 Grad Kurve um einen hohen Farnbusch.
Eben dieser Farnbusch wird gerne von Seelöwen zum
"darunter schlafen" frequentiert. Das war
mir schon im Laufe dieses ersten Tages aufgefallen.
Und schon bei Tageslicht war es recht unheimlich, wenn
einer der Kolosse müde ein Lid hob und den passierenden
Zweibeiner mit seinem großen braunen, immerzu
tränenden Auge zu begutachten. Zudem waren die
Seelöwen an diesem ersten Tag aber auch bedacht
uns Zweibeinern klarzumachen, wer hier der Herr im Hause
ist und nutzen jede sich bietende Gelegenheit sich schwerfällig
aufzurichten, das Maul aufzureißen und uns anzubellen.
Ziemlich beeindruckend, ganz ehrlich, wenn so ein 3-Meter-Brummer
plötzlich keinen halben Meter neben einem aus dem
Farn auftaucht und sein "HUUAARFFGGG!!!" von
sich gibt. |
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Es war dunkel. Ich
musste mal. Also schnappte ich mir meine Kopflampe und
trat in die Dunkelheit hinaus, die von dem sonoren Gegurre
von Dunkesturmtauchern erfüllt war. Leise schlich
ich den Holzweg entlang rechts und links den Busch ausleuchtend.
Ich hatte wenig Lust im dunklen vom einem der Pelzmonster
angebellt zu werden. So tapste ich vorsichtig an die
90° Kurve heran, lugte vorsichtig um die Ecke und
leuchtete den Boden unter dem Farnbusch aus. Nur eine
plattgelegene Modderkuhle - keine bepelzter Schläfer?
Vorsichtig bewegte ich mich um die Kurve, um einen besseren
Blickwinkel zu erlangen. Tatsächlich! Kein Seelöwe
mehr da. Puh!, dachte ich und tat einen erleichtert-beherzten
Schritt gen Felsen - und trampelte dem gerade eben erwachten
und sich mitten auf dem Weg befindenden Koloss gewaltig
auf die Hinterflossen.
Ich bekam fast einen Herzinfarkt, als ich den ungewohnten
Widerstand unter der Sohle spürte und plötzlich
ein 20 Meter großer Kopf in der Dunkelheit herum
schwang und mich mit leuchtenden, tellergroßen
Augen ansah... oder so ähnlich. Mein Herz raste
mir im Hals, meine Augen traten mir fast aus dem Kopf.
Mit wehenden Haaren floh ich den Holzweg zurück
zur Hütte und erwartete jeden Moment von einem
übel riechenden Seelöwenmaul im Nacken gepackt
zu werden... oder schlimmer noch... von den gewaltigen
Fleischmassen zwischen die Bohlen des Wegen gequetscht
zu werden! |
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Klar, dass meine Leidensgeschichte
bei den Mitstreitern in der sicheren Hütte mit
Gelächter der übelsten Sorte bedacht wurde.
Doch jeder bekam sein Fett weg. Dave - der sich bei
seinem dritten Snares Aufenthalt als Seelöwen erprobt
betrachtet - hatte einige haarscharfe Konfrontationen
mit einem gewissen Barney am Wassertank unterhalb unserer
Hütte. Jener Barney rekelte sich mit Vorliebe seitlich
des Weges, der Hütte, Wassertank und Labor verbindet.
Kein Wunder, wenn er ein wenig grantig reagiert wenn
ständige irgendwelche zweibeinigen Bohnenstangen
an ihm vorbei marschieren - treppauf, treppab... zum
verrückt werden! Und so entschied er sich uns (und
vor allen Dingen Dave) ab und an gehörig den Marsch
zu blasen ("HHUUUAAARFGGH!!!"). Nicht selten
war solchermaßen unser direkter Zugang zum Waschwassertank
blockiert.
An einem anderen Tag, markierte Dave einmal mehr den
starken Mann und machte sich über einen anderen
Barney lustig (irgendwie heißen die meisten Seelöwen
der Snares 'Barney'). Bloß um von dem (zu Recht!)
erzürnten Meeressäuger mit Seelöwenschimpfwörtern
der unflätigsten Sorte bedacht zu werden.
Nach einer Woche hatten sich die Seelöwen an uns
und wir uns an die Seelöwen in der näheren
Umgebung der Hütte gewöhnt. Mittlerweile können
wir uns schon glücklich schätzen, wenn einer
der Brummer auch nur ein Auge öffnet, um uns kurz
zu betrachten, während wir mit einem Riesenschritt
über das auf dem Weg pennenden Flossentier steigen.
Zwei äußerst unangenehme Angewohnheiten
haben wir den Burschen noch nicht abgewöhnen können.
Das erste wäre das haltlose in die Gegend Gekotze.
Seelöwen ernähren sich mit Vorliebe von großen
Kopffüßern und Fischen. Beide diese Tiergruppen
haben jedoch auch schwer verdauliche Bestandteile...
bei den Tintenfischen vornehmlich die zum Teil gewaltigen
Schnäbel, bei den Fischen das Gräten bewehrte
Rückgrat. Und was nicht verdaut werden kann muss
halt raus. Und so reihert ein guter Seelöwe sein
zwei- bis dreimal am Tag. Ein rechtes Schauspiel, wenn
sich die Tiere aufsetzen und dann der Körper erst
einmal ein paar Minuten von krampfartigen Würganfällen
geschüttelt wird, bevor die Speiladung dann mit
heftigem Kopfschütteln in der Gegend verteilt wird.
Unangenehm aus unserer Sicht ist, dass die Seelöwen
ihren unappetitlichen Gewohnheiten auch auf unseren
Wegen nachgehen (und nicht selten vor Erschöpfung
im eigenen Erbrochenen einschlummern). |
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| Interessanterweise finden
sich in dem Erbrochenen nicht nur unverdaute Körperteile
unglücklicher Beutetiere, sondern auch zum Teil ganze
Ladungen von Steinen, die im Magen die Funktion von Mühlsteinen
erfüllen. Als vor Jahrzehnten Geologen die Snares
Islands besuchten, waren sie zunächst extrem aufgeregt:
sie fanden vulkanisches Basaltgestein auf einer reinen
Granitinsel! Oh Wunder!!! Bis einer der Forscher eben
jenes oben beschriebene Schauspiel beobachtete und ihm
ein Licht aufging. Die Seelöwen der Snares Islands
sind größtenteils Bullen. Und zwar jüngere
Bullen, die in den eigentlichen Brutgebieten der Seelöwen
- den vulkanischen Auckland Islands - gegen die erfahrenen
alten Haremsherren keine Chance haben bzw. erst noch wachsen
müssen, um ein Wörtchen bei der Damenwahl mitreden
zu können. So reisen die Jungspunde ab und an zu
ihrer Heimatinsel um nachzusehen, wie ihre Chancen stehen
- und schlucken bei diesem Behufe den einen oder anderen
Basaltbrocken. |
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Auf die zweite unangenehme
Angewohnheit der Seelöwen möchte ich lieber
nicht detailliert eingehen. Nur soviel... es stinkt,
ist oft mit äußerst unanständigen Lautäußerungen
verbunden und man tritt häufig in das Endprodukt
(weil die Burschen das Zeug auf der ganzen Insel hemmungslos
von sich geben).
Wie schon mehrfach erwähnt... die Seelöwen
sind überall. Kein Berg ist zu hoch, kein Dickicht
zu dicht, um sie an der Suche nach dem besten Schlafplatz
zu hindern. Ist erst mal ein nettes Plätzchen gefunden,
schnarchen die Tiere nicht selten völlig entspannt
für ein paar Tage, bevor das Magenknurren sie zu
einer schwerfälligen Wanderung zurück ins
Meer animiert. Manche Seelöwen finden unsere Hütten
und angrenzenden Strukturen (zum Beispiel unseren Benzinschuppen)
als Schlafstätten äußerst reizvoll.
In diesem Fall haben wir oft mit blockierten Wegen zu
kämpfen. Aber immerhin sieht man die Tiere.
Denn schlimmer sind die Bullen, die sich im Wald lang
machen. Auf unseren täglichen Märschen hinauf
zur Pinguinkolonie, stolperten wir nicht selten über
einen empörten Barney. Und wenn einem das erst
mal ein, zweimal passiert ist, ist man davon überzeugt,
dass es sich lohnt solche Konfrontationen zu vermeiden.
Doch wie, wenn die Tiere unter den Farnen schlafen?
Ganz einfach... man achtet einfach auf die Möwen!
Wann immer eine schillernd weiße Möwe inmitten
des Grüns des Waldes auftaucht, ist man gewarnt.
Die Möwen machen sich die Speiangewohnheiten der
Seelöwen auf ihre Weise zu nutze, in dem sie das
Erbrochene nach soliden Brocken durchforsten.
Nicht selten entdeckt man die Möwen vor den Seelöwen.
In dem Falle ist größte Aufmerksamkeit anzuraten.
Stehen bleiben und ruhig sein... vielleicht verrät
ein dünnes Schnarchen das Wo des Seelöwen.
Wenn nicht... sind vorsichtiges Voranschreiten und behutsames
Farne aus dem Weg Schieben dringendst erforderlich.
Jedenfalls wenn man nicht hinterrücks von einem
als Baumstamm verkleideten Seelöwen angerülpst
werden will. Oftmals ist das Gespann Löwe/Möwe
aber auch von weitem zu erspähen, so dass man durch
einen kleinen Schlenker, den direkten Kontakt vermeiden
kann.
Nichtsdestotrotz ist eine Möwe im Wald stets für
einen gesteigerten Adrenalinpegel gut.
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Weniger erschreckend
verhält es sich mit den jungen, nahezu als zierlich
zu bezeichnenden Seelöwen, die nicht älter
als zwei Jahre auf dem Buckel haben. Die Jungspunde
sind erheblich beweglicher als ihre älteren und
unglaublich fetteren Artgenossen und vermögen daher
auch mit behänder Leichtigkeit die entlegensten
Ecken der Inseln zu erkunden. Zum Beispiel das Areal
unserer Pinguinkolonie A3, die fast mittig auf North
East Island liegt. Vor zwei Wochen machte ich bei meinen
täglichen Nestchecks Bekanntschaft mit 0134, einer
jungen spielfreudigen Seelöwin, die sich meine
Lichtung als Schlafstätte ausgesucht hatte. 0134...
das war jedenfalls ihr offizieller Name, den sie auf
einer Flippermarkierung mit sich herumtrug.
Das DOC unterhält seit einigen Jahren ein Markierungsprogramm
für Hooker's Seelöwen. Die Seelöwen wurden
im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
von Robbenschlägen fast gänzlich ausgerottet.
Die Gesamtpopulation war auf einige Individuen reduziert
und entsprechend lange braucht es, bis die Seelöwenzahl
wieder in den Bereich der ursprünglichen Stärke
gelangt. Sie ist noch weit davon entfernt. Das Markierungsprogramm
dient der Überwachung der Populationsentwicklung...
denn jenseits jeder Gefahr sind die Seelöwen nicht.
Dummerweise interessieren sich die Tiere für die
gleiche Größenklasse von Fischen, wie die
neuseeländische Hochsee-Fischerei. Und nicht wenige
Seelöwen verenden in den Maschen riesiger Schleppnetze.
Doch zurück zu 0134. Mir gefiel der Name nicht
sonderlich und Barney ist nichts für Mädchen.
Weil die Kleine jedoch mit solcher Vehemenz daran interessiert
war mich zu erschrecken, nannte ich sie 'Bogey'. Als
ich auf die Lichtung trat, stürmte Bogey auf mich
zu, blaffte mich mit weit aufgerissenem Maul an, um
dann wieder das Weite zu suchen. Eine halbe Minute später
folgte dann die nächste dieser Attacken. Immer
und immer wieder. Leider war Bogey so klein, dass sie
mir überhaupt keinen Respekt einflößte
und ich mich stattdessen auf meinem üblichen Sitzplatz
breit machte und mich den Pinguinen widmete.
Doch das Rööö-Rööö
in meinem Rücken konnte ich nicht ignorieren. Bogey
wollte nun mal Eindruck schinden und so ließ ich
die Pinguine für eine Weile ruhen und spielte ein
paar Mal den Erschrockenen für die Seelöwin.
Das machte ihr offensichtlich Spaß. Sie vollführte
ein paar Finten gekoppelt mit einem dünnen Bellen,
dann wetzte sie über die Lichtung, um sich ein
paar Meter von mir entfernt platt ins Gras fallen zu
lassen. Wie ein Indianer robbte sie nach einer halben
Minute wieder heran, um ihr Fintenspiel auf ein neues
durch zu ziehen. Irgendwann ermüdete die junge
Seelöwin und schlief einfach ein, als sie sich
im Gras versteckte. Jetzt konnte ich meine Pinguinbeobachtungen
zu Ende bringen. |
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So behäbig und
schwerfällig Seelöwen an Land sein mögen
- besonders die massigen, älteren Bullen haben
den Charme eines Bulldozers: im Wasser sind sie extrem
gewandt. Immer wieder können wir Zeuge dieser Gewandtheit
werden, wenn junge Bullen im Boat Harbour unterhalb
der Hütte im Wasser spielen. Oft sind es kleine
Schaukämpfe, Rangeleien oder eine Art aquatisches
Nachlaufen. Die Kerls flitschen torpedoartig durch das
Wasser und nicht selten hat es den Anschein, dass sie
dabei ihren Körper an physikalische Grenzen bringen.
Die Außenhülle des Seelöwenkörpers
scheint, dem Prinzip der Trägheit der Masse folgend,
dem Rest des Körpers nicht nachfolgen zu können,
so dass man sich nicht des Gefühls erwehren kann,
dass das Tier jeden Moment nackig aus seiner pelzigen
Haut fahren muss.
Neben den Seelöwen finden sich noch zwei weitere
Meeressäugerarten auf den Snares. Zum einen neuseeländische
Pelzrobben (Arctocephalus fosteri). Auch (oder
besonders) die Pelzrobben wurden ihres Felles wegen
stark bejagt und fast ausgerottet. Nur eine Handvoll
dieser Tiere überlebten bis Mitte des 20. Jahrhunderts.
Heute erholen sich auch die Pelzrobben von der menschlichen
Schlächterei... und sind im Gegensatz zu den Löwen,
extrem scheu dem Menschen gegenüber. Kommt man
einer Pelzrobbe aus Versehen zu nah (weil man das Tier
nicht bemerkte) wird man mit einer panikartigen Flucht
und hohen Jaullauten bestraft, die erst enden, wenn
die Robbe im Wasser verschwunden ist. Entsprechend versuchen
wir die exponierten Felsen der Insel zu meiden...
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Dreimal hatten wir
bisher auch das seltene Vergnügen einem Seeleoparden
(Hydrurga leptonyx) zu begegnen. Seeleoparden
gelten gemeinhin als die ultimativen Jäger der
subantarktischen und antarktischen Gewässer. Im
Gegensatz zu den anderen Robben- und Seehundarten, konzentrieren
sich Seeleoparden auf größere Beutetiere
als Fische und Tintenfisch. Sie haben es auf Pinguine
und junge Meeressäuger abgesehen. Einem auf am
Pinguinlandungspunkt schlummernden Leo schlich ich ein
wenig näher auf die Pelle, als das graue schlangenartige
Tier müde seinen Kopf hob und mich mit seinem Arsenal
blitzend weißer, unglaublich spitzen Reißzähnen
angähnte. Ich war beeindruckt... und dachte, dass
ein rascher Rückzug angeraten wäre.
Doch auf dem Land sind Seeleoparden ziemlich harmlos,
denn sie entstammen der Familie der Seehundartigen (Phocoridae).
Im Gegensatz zu den Ohrenrobben (Otoridae)
- wie zum Beispiel Seelöwen, aber auch Pelzrobben
- können die Seehundartigen nicht ihre Hinterflossen
unter den Körper klappen und so auf dem Land als
Laufbeine verwenden. Daher sind beschränkt sich
die Fortbewegung von Seeleoparden auf ein extrem schwerfälliges
Mit-den-Vorderflossen-Vorwärtsrobben; was auch
erklärt warum die Tiere stets nah am Wasser schlafen.
Und eben diese Unbeweglichkeit des Seeleoparden kam
auch den Pinguinen zugute, denn unsere zweite Begegnung
mit dem Jäger hatten wir mitten auf der Landungsstelle
der Pinguine unweit der Hütte. Die Vögel watschelten
anscheinend ahnungslos - aber doch außer Reichweite
- an dem dösenden Leo vorbei ins Meer.
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Um die Sache abzurunden,
noch rasch unsere dritte Begegnung mit dem Seeleoparden.
Dave und ich kraxelten einen Tag über die Felsen
zu einer schmalen Bucht die sich Cod Cave nennt. Hier
bohrt sich eine schmale Höhle tief ins Innere der
Insel (wir haben keine Ahnung wie weit sich die Kaverne
ins Gestein erstreckt). Die Cod Cave erschien uns wie
ein Tauchparadies: glasklares Wasser, üppiger Felsenbewuchs
und gut geschützt von der Brandung. Wir sinnierten
gerade ob man es wagen könnte mit all den Seelöwen
in der Gegend hier mal mit einem Schnorchel unterwegs
zu sein, als sich wie ein Gespenst der Seeleopard aus
den Tiefen der Cod Cave materialisierte, die Oberfläche
durchbrach und zu uns hinauf blinzelte. Dave und ich
waren einen Augenblick sprachlos, denn der Blick des
Leoparden sprach Bände: "Oh ja... holt eure
Schnorchel... ich wart solange auf euch... für
euch setze ich sogar meine Pinguindiät ab..."
Als ich meine Sprache wieder fand, blickte ich in Daves
überraschtes Gesicht und sagte nur: "Auf der
anderen Seite... ist mir das Wasser hier zu kalt zum
Schnorcheln." - "Jap, glaube da hast du recht",
antwortete Dave. |
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