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| 1. Tag - Ankunft |
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Donnerstag, 09. Oktober 2003, Snares |
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| Die
Passagiere des Southern Express' |
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Mit 3 Tagen Verspätung trampeln am 9. Oktober
2003 drei Expeditionsteilnehmer mit einer 7-köpfigen Entourage,
die die Gelegenheit nutzen wollen, Seevögel
zu bestaunen und die Snares wenigstens von See aus in Augenschein
zu nehmen, um 7 Uhr früh an Deck des Southern Express. Graues
Wetter, Nieselregen, Kälte die durch alle Fasern dringt. Dazu
wässrigen Kaffee
im Bauch und ein paar Blaubeermuffins. Mehr nicht. Nach knapp zwei
Stunden Fahrtzeit, noch längsseits von Stewart Island beginnt
der Tanz: das Boot brettert Wellenwände hinauf, um über den
Kamm hinab in die Tiefe zu fahren und im Wellental hart aufzuschlagen.
Kawumms! Die
Diesel
heulen auf, kübelweise Spritzwasser pladdert auf das Achterdeck.
Nach und nach werden die Passagieren leise. Man fixiert
den Horizont,
der oben aus dem Gesichtsfeld zu verschwinden scheint, um von unten
wieder ins Bild zu wandern. Kein Wunder also, wenn man sich so
etwas koddrig fühlt...
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| Humphrey
und Dave - Pillen gegen Übelkeit |
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Mal abgesehen vom Skipper und dem
Maat, die man aufgrund ihrer Seebeine aus dem Spiel heraushalten
muss, gibt es einige Schummler. Dave zum Beispiel sieht auch nach
zwei
Stunden noch ganz fidel aus. Klar, er hat sich zwei Hammer-Seekrankheitspillen
einverleibt und gibt sich ganz seebärig. Sympathischer ist da
schon das Mogeln, wie es Humphrey, der Filmstudent, an den Tag legt.
Er
hat wohl nur eine Pille geschluckt und sieht entsprechend etwas knittrig
aus. Die pillenlosen Passagiere hingegen durchlaufen eine graduelle
Transformation: von müde-freudig, zu nur noch müde, zu
müde-matschig.
Kaum dass das Boot den Südzipfel Stewart Islands passiert, ist
auch schon das gros der Leute an Bord damit beschäftigt, entweder
unkontrolliert
über die Rehling reihern oder im Passagierraum auf den dreier
Banken verrenkt
liegend Kotztüten zu befüllen. Aus der Traum vom Seevogel
gucken. Wen interessieren in so einem Zustand schon Albatrosse, Sturmvögel
und Sturmtaucher? Enstprechend karg auch die fotografische Ausbeute
des Trips. |
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| Der
Southern Express in der Station Cove, Snares |
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Ist man erst einmal damit beschäftigt, die Überlkeitskonvulsionen
zu überwinden vergeht die Zeit - leider nicht im Flug. Jede
Welle ufert in grenzenlose Agonie aus. Hinzukommt die schleichende
Kälte - wegen der Bewegungslosigkeit zu der man verdammt
ist (unnötige
Bewegung birgt das Risko einer weiteren Würgeattacke). Das
miese Wetter, mit der alles durchdringenden Gischt, tut sein übriges.
Man friert, fühlt sich wie ausgelutscht und möchte
eigentlich nur noch Sterben. Man kann nicht gerade sagen, dass
die 6 Stunden
Dampfstrecke wie im Flug vergehen.
Dann plötzlich Geschäftigkeit, durch
den Überlkeitsschleier
dringende Rufe der Pillenschlucker: "Wir sind da! Wir sind
da!"
Was? Aufrappeln ist doch ganz unmöglich, nein, ich bleib
hier liegen; ihr könnt mich dann heute nachmittag begraben! Doch
dann richtet man sich auf, sieht das tatsächlich
die Sonne durch das Einheitsgrau des Himmels gebrochen ist, stakst
auf das Achterdeck, wo schon grandiose Wuhling herrscht.
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| Kaum das man, eben noch
seekrankheitsgebeutelt den Fuss in das Beiboot setzt, reisst der
Film und man ist zurück
in der Realität... |
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| Unser
Begrüßungskommitee - Catharacta skua |
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Dave ging mit der ersten Ladung an Land, Ursel folgte mit der
zweiten. Ich schlüpfte beim dritten run in das Dinghy. Die Wogen,
die in der Station Cove kabbelten, waren zwar nicht groß, warfen
das vollbeladene Boot trotzdem hin und her. Zwischen
Fischcontainern und Alukisten balancierend brummten wir auf den Boat
Harbour zu. Mein Fuss klemmte verdreht zwischen Bordwand und Gepäck,
da war kein Freikommen. Eine Minute Fahrt durch die Wasserhügellandschaft,
hinein in den dünnen Schlauch des Boat Harbours. Im Wasser des
Naturhafens trieben zwei Seelöwen an der Oberfläche und
beäugten
das Boot. Auf den Felsen balancierten Ursel und Dave bereits unsere
Kisten zwischen schlafenden Seelöwebullen hindurch. Nachdem
ich die neue Ladung Zeug aus dem Boot gewuchtet hatte, ging es erst
wieder
zurück zur Fähre. 5 Trips waren nötig, um all unsere
Kisten, Ortliebsäcke, Gasflaschen, Autobatterien, Kabeltrommeln,
Aluboxen, Solarpanele, Netze und Seile an Land zu bringen. |
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| Ständig
im Weg: ein Seelöwenbulle |
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12.30 Uhr Mittags. Es sah recht wüst aus, auf der Landungsstelle
im Boat Harbour. Unsere 20 oder mehr Fischkisten
(vollgestopft mit Lebensmitteln)
stapelten sich zwischen schlafenden 3-meter Brummern von Seelöwenbullen.
Alukisten mit Elektronik und Büchern, Pelikankoffer mit Funkgerät
und Satllitentelefon, wasserdichte Ortliebseesäcke mit Kleidung,
Binokkular
und Zelten warteten verstreut über den ganzen Bereich, dass wir sie in
die Labor- und
Lagerhütte hinaufschleppten. Mein Rücken meldete schon im vorhinein
Invalidenrente an...
Dank der kreuz und quer herumliegenden Seelöwen wurde die
Tragerei zur Kür! Halber Touloup links um den Brummer herum,
und jetzt der doppelte Achsel über diesen Pelzberg hinweg,
nur nicht patzen, nur nicht patzen... dann den von Schlamm und
Seelöwenexkrementen schmierseifigrutschigen Pfad hinauf zur
Hütte. |
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| Dave
und Ursel in der Hütte |
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Aus Quarantänegründen mussten sämtliche Kisten,
Kästen und Seesäcke
in der geschlossenen Laborhütte geöffnet werden. Sollte
sich ein unerwünschter Nager eingeschlichen haben, könnte
man versuchen das Tier in der zugestellten und verbarrikadierten
Hütte
zu fangen. Keine Ahnung wie wir das gemacht hätten (wahrscheinlich
hätten wir die
erste Woche in freiwilliger Internierung verbracht, bis uns der
rettende Geistesblitz gekommen wäre, wie man in dem Chaos
eine Maus finden und fangen klönnte). Während Dave begann
in der Wohnhütte die verammelten
Fenster von ihren Sperrholzenschalen zu befreien und die Funkgerätantenne
zu hissen, packte der Rest unseres Teams die Lebensmittel aus,
sortierte sie in die
Vorratsregale
und versuchte das Tohuwabohu zu lichten.
Abends gab's Korma Curry. Zum ersten mal. Sicherlich aber nicht
zum letzten Mal. Draussen waren nur wenige Pinguine unterwegs.
Seelöwen pfurzten gemütlich im Unterholz. Dunkelstrumtaucher
(Titi) segelten in der Dämmerung heran und versammelten sich
zu einer pulsierenden Wolke über der Insel - und wir waren zu
kaputt um noch einen Arm zu heben... |
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Letze Änderung: 24.11.2003 |
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